Das Christentum kam früh nach Kappadokien. Der Weg des Hl. Paulus führte durch Cäsarea (heute Kayseri) auf dem Weg nach Anykara (heute Ankara). Im 4. Jhd. n. Chr. brachte Kappadokien drei Heilige aus dieser Gegend hervor. Dabei handelt es sich um den Hl. Basil den Grossen von Cäsarea, seinen jüngeren Bruder, den Hl. Gregorius von Nysa und den Hl. Gregor von Nazianzus. Der Hl. Basil der Grosse war der Sohn frommer Eltern und erhielt seine höhere Ausbildung in Konstantinopel und Athen. Er lehnte eine vielversprechende Karriere ab, um Mönch zu werden. Beeindruckt vom asketischem Leben, liess er sich als Eremit in Kappadokien nieder, wo sich Gregorius von Nazianzus zu ihm gesellte. Basil verteidigte unter den Kirchen Anatoliens heftig den christlichen Glauben, die unter Zersplitterung litten und durch arianische Kontroversen hervorgerufen wurden. Im Jahre 370 folgte er Eusebius als Bischof. Als Kirchenführer, der hervorragende Organisationseigenschaften besass, gründete Basil ein Krankenhaus, pflegte mönchisches Leben und reformierte die Liturgie. Seine Regeln, ein Kodex für mönchisches Leben, wurde zur Grundlage für das östliche Mönchtum und die Liturgie des Hl. Basil, die wahrscheinlich von ihm selbst zusammengestellt wurde, obwohl später revidiert, wird immer noch an bestimmten Sonntagen in orthodoxen Kirchen eingehalten. Die Einsiedler der frühen Kirchen, die in wilden und entlegenen Gegenden Zuflucht vor den Wirren der Welt suchten, wählten Kappadokien, was zur Entwicklung des Mönchtums in dieser Gegend führte. Sie gaben ihr Leben dem Gebet, der Buße und dem Fasten hin, wobei sie häufig in aus Menschenhand gefertigten oder in natürlichen Höhlen lebten. Märtyrertum war das letzte Ziel eines ergebenen Christen. Nachdem das Christentum durch Konstantin den Grossen in Jahre 330 n. Chr. als offizielle Religion anerkannt worden war, endete die Tage des Märtyrertums und das friedenvolle und sichere Leben befriedigte diese Leute nicht mehr. Die Geographie Kappadokiens war für Menschen geeignet, die einen asketischen Lebenswandel bevorzugten. Als im 7. und 8. Jhd. n. Chr. die Araber begannen, in Anatolien einzufallen, mussten sich die mönchischen Gemeinschaften verbergen und, wo es geographisch möglich war, unterirdischen Schutz suchen. Mit der Zeit entwickelten sich diese Zufluchten zu grossen unterirdischen Städten.
Kirchen Kappadokiens
Man schätzt, dass es mehr als 800 in Felsen gehauene Kirchen in Kappadokien gibt. Diese Kirchen die von den Menschen gemeiselt wurden, waren vom Plan her ähnlich wie die in der Hauptstadt. Die Wände waren mit wunderschönen Fresken ausgeschmückt. Die meisten Fresken stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Bei diesen Fresken wurden zwei verschiedene Techniken angewendet; sie waren entweder direkt auf die Felsen gemalt oder auf einen sehr dünnen Putz. Kirchen, die nicht verputzt waren, waren in der Überzahl. Die einfachste Kirche hatte ein rechteckiges, gewölbtes Schiff mit einer Hauptapsis, die mit einem projektierten Bogen überspannt war. Es gibt eine grosse Variante von Kirchen, einige mit dreifachen Apsiden und einer Kuppel, Kreuzplan usw. Da die Kirchen in die Felsen hineingemeiselt waren, musste sie nicht durch Säulen unterstützt werden. Bei Säulen und Bögen handelt es sich daher nur um strukturelle Symbole. Die Namen der Kirchen basieren auf ihren archäologischen Stil oder ihrer Ausschmückung, z.B. der Buckel oder die Sandalenkirche. Die Apsiden der Kirchen gehen in verschiedene Richtungen in Übereinstimmung mit entsprechenden natürlichen Formationen der Felswände und mit dem Vorhandensein geeigneter Felsbrocken. In vielen Kirchen gibt es Gruben mit Gräbern, von denen man annimmt, dass in ihnen die Spender oder kirchliche Würdenträger ruhen, was seinerzeit zur Tradition gehörte.
Bibliographie: Die Türkische Odyssee by Serif Yenen